Seminar Flüchtlingsarbeit

»Was hat ein Eisberg mit Kultur zu tun?«,

das fragten wir uns beim Seminar »Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit« vom 23. bis 25. Juni in Stuttgart-Giebel. Dr. Åsa Nausner aus Schweden machte mit dem Bild des Eisbergs deutlich, dass Kultur viel mehr ist als das, was wir sehen können. Die wesentlichen Elemente, die Kultur ausmachen, sind nicht direkt zu erkennen. Und wie bei der Titanic kommt es zum Zusammenstoß, weil wir den Eisberg unter Wasser nicht bedenken. Es braucht Zeit zum Nachfragen und oft entdeckt man beim Erzählen auch mehr über die eigene Kultur als das Offensichtliche. So ging es den knapp 30 Teilnehmenden, als sie die Aufgabe hatten, den anderen ihre Kultur vorzustellen.

Allgemeine Zuweisungen helfen nicht weiter; ohne eine offene Kommunikation bleiben wir in den Schubladen der anderen stecken. Es war einmal mehr wertvoll, dass an unserem Seminar auch Geflüchtete teilnahmen. Sie konnten uns erzählen, was sie bewegt und belastet und ihr Verständnis darüber, was »deutsch« ist, wurde durch dieses Seminar erweitert.

Josephine Jackson aus Tübingen, die mit schwarzen deutschen Jugendlichen arbeitet, hat uns eindrücklich darauf hingewiesen, wie im Alltag eigene Rassismen präsent sind (z.B. durch Kategorisierungen) und wie wir in der Flüchtlingsarbeit auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Rassismus konfrontiert sind. Menschen, die mit Rassismus konfrontiert sind, brauchen darum »Empowerment«, eine Stärkung, eine Ermächtigung, um diesen Alltagserfahrungen etwas entgegensetzen zu können.

Und was sagten die Teilnehmenden zum Seminar?

  • »Nach acht Monaten endlich wieder in einem Zimmer in Ruhe schlafen zu können, das war wunderbar«, meinte einer der Geflüchteten und es wurde uns allen sehr deutlich aufgezeigt, zu welchen psychischen Belastungen die Unterbringung in den Notunterkünften führt.
  • »Ich hatte immer das Gefühl, ich kann offen meine Anliegen aussprechen – das hat mir besonders gut gefallen.«
  • »Wow! Aleppo blickt auf eine 7000-jährige Kultur und Geschichte und gehört damit zu den ältesten Städten der Menschheit!?! – Da saßen die Menschen hier in Deutschland noch in den Bäumen.«

Übrigens: Auch das Seminar vom 15. bis 17. September lebte von dem Miteinander und Austausch zwischen Engagierten und Geflüchteten. Das letzte Seminar der Reihe, die von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert wird, findet vom 23. bis 25. Februar 2017 statt. Dann geht es um die Koordination ehrenamtlicher Arbeit und die Möglichkeit von Supervision.

»Donnerstag bis Samstag? – Ist das kein Tippfehler? Da muss man ja Urlaub nehmen.«

Genau! In Baden-Württemberg kann man für dieses Seminar nach dem neuen Bildungszeitgesetz Bildungsurlaub in Anspruch nehmen. Alle Infos dazu gibt’s auf der Homepage www.bildungszeit-bw.de. Tipps für alle, die in der Flüchtlingsarbeit engagiert sind, finden sich auf der Homepage: www.emk-flüchtlingsarbeit.de