Die Gutmenschen

Andacht AK-Asyl, 13. Januar 2016, VS-Schwenningen

Seit gestern haben wir es schriftlich, Gutmensch ist zum Unwort des Jahres 2015 geworden. In der Begründung der Jury heißt es:

»Als ›Gutmenschen‹ wurden 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. ... Mit dem Vorwurf ›Gutmensch‹, ›Gutbürger‹ oder ›Gutmenschentum‹ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert.«

Dieses verächtliche Reden über Gutmenschen haben aber nicht die Pegida-Leute erfunden. Mir geht es schon lange auf den Keks, dass dieses Wort im abwertenden Sinn gebraucht wird. Vor Pegida waren es vor allem die Neoliberalen, die das Wort Gutmensch als Schimpfwort benutzten.

Zu Zeiten Goethes, als noch Lebensmaximen Mode waren wie »Edel sei der Mensch, hilfreich und gut«, hätte man das Wort Gutmensch als unnötige Doppelung empfunden. Menschsein und Gutsein, das sollte doch möglichst dasselbe sein. Heute gilt in manchen Kreisen Gutsein als peinlich, so von vorgestern wie die Verteidigung einer aufgeklärten Moral und die Hoffnung auf eine bessere Welt. Die Gutmenschen, das sind dann die Ewiggestrigen, die noch nicht begriffen haben, dass es nur noch ein Ziel gibt, nach dem persönlichen Vorteil zu streben. Alle Solidarität, der gute Wille zu helfen, Mitgefühl für andere, Verbesserung der Verhältnisse, das seien doch lächerliche Sentimentalitäten, für die man nur Spott und Häme übrig haben könnte. Gut ist in dieser Denke eigentlich ungut geworden.

Ich bin froh, dass ich noch Gutmenschen kenne. Menschen, die darin ihre Erfüllung suchen, anderen zu helfen und beizustehn. Also herzlich willkommen ihr lieben Gutmenschen!

Hans-Ulrich Hofmann

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Bunt, leicht chaotisch aber herzlich ...

... so lässt sich Flüchtlingsarbeit in Deutschland beschreiben. Eine große Kraft ist spürbar, wenn Hilfsgruppen in ökumenischer Weite aktiv sind. Verantwortliche staunen über eine Zusammenarbeit vor Ort, wie sie zuvor nicht vorstellbar war. Das ist schön.

Wenn wir voneinander wüssten, könnten wir uns inspirieren.

Aber die Not fordert alle Aufmerksamkeit und leider bleibt zu wenig Zeit, um die Arbeit zu reflektieren und voneinander zu lernen. Dabei arbeiten wir an denselben Fragen und so manch typisches Problem wurde schon kreativ gelöst.

Daher haben wir auf unserem Internetangebot einen Bereich eingerichtet in dem Informationen gebündelt angeboten werden. Dort finden Sie Links zu anderen Seiten, die zu einem bestimmten Thema bereits gearbeitet haben. Wie ein Prisma soll dieser Bereich, der auch über www.emk-fluechtlingsarbeit.de erreichbar ist, das breite Spektrum ehrenamtlichen Handelns darstellen, bündeln und neue Einblicke ermöglichen.

Wer Interessantes entdeckt oder Erfahrungen weitergeben möchte, darf sich gerne per Mail melden bei fluechtlingsarbeit(at)emk.de.